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Eine
kleine Delegation wird am nächsten Morgen zum Brötchen holen geschickt.
Nach 20 min Irrweg durch die angrenzende Kleingartenkolonie, finden sie
dann auch endlich einen Bäcker in der Niederneuendorfer Allee.
Um 10 Uhr laufen wir schließlich aus und legen erst mal den Hebel auf den
Tisch, um möglichst zügig das trostlose Stück unserer Fahrt hinter uns
zu bringen: Die Fahrt zwischen Henningsdorf und Zehdenick auf dem
Oder-Havel-Kanal. Trostlose Landschaft und Industriebauten rechts und
links der Strecke, da heißt es nur, die Vorfreude auf die eigentliche
Seenplatte zu erhalten. Die Strecke verleitet zum zu schnell fahren, trotz
der großen Versuchung halten wir uns zurück, was sich angesichts der
wartenden Wasserschutzpolizei als nicht nur ökologisch sinnvoll
herausstellt! Ab Zehdenick ändert sich die Strecke jedoch merklich,
beidseitig befinden sich nun Zeugen des Tonabbaus in dieser Region in Form
von Wasserflächen.
Unser abendlicher Anleger befindet sich dann idyllisch gelegen in einem
kleinen Hain an Backbord: Der Wasserwanderrastplatz des Ziegeleipark
Mildenberg.
Das
Hafenbecken mit ausreichend Gastliegeplätzen und sehr guten modernen
Sanitäranlagen mit Waschmaschine, Trockner und angrenzender Küche
beeindruckt uns. Ein "Tante Emma Laden" erfüllt die kleineren
Wünsche vor Ort. Für Wasserwanderer befinden sich ein kleiner
Campingplatz neben dem Hafen. Die 20 Liegeplätze an den Stegen sind mit
Münzautomaten für Wasser und Strom ausgestattet. Eine
Fäkalienentsorgung und eine mobile Tankstelle sind bei Bedarf
einsatzbereit. Führerscheinfreie Boote und Paddelboote stehen zur
Vermietung bereit. In der angrenzenden Gaststätte "Havelblick"
lassen wir abends bei einem kühlen Blonden unsere Fahrstrecke Revue
passieren.
Am
nächsten Morgen entschließen wir uns zu einem Besuch des Ziegeleiparkmuseums.
Strahlender Sonnenschein begleitet uns auf unserer Fahrt mit der Museumsbahn
durch die Ausstellung zur Entstehung der Ziegelei und zum Ausbau des Tons
hier in Mildenberg, aus dem weite Teile Berlins erbaut worden sind.
Auch
die zweite Nacht verbringen wir sicher im geschützten Hafen des
Ziegeleiparks. Voller Tatendrang planen wir schon unseren nächsten
Tagestörn nach Templin. Was folgt, ist eines unserer schönsten Stücke
auf der Havel. Auf kurviger Strecke erreichen wir am frühen Nachmittag
die Schleuse Kanneburg. Bei sengender Sonne helfen wir dem
Schleusenwärter beim mechanischem Schleusen und starten durch bis zum
Röddelinsee. Bei solch einem Sonnenschein muß geschwommen werden. Mit
unserem Tiefenmesser und der amtlichen Wasserkarte haben wir uns vorher
vergewissert, daß sich die Stelle zum Ankern und Wasserspringen eignet,
denn wir wollen natürlich Verletzungen vorbeugen.
Alles
in Ordnung. Wir werfen Anker und genießen das Vergnügen vom Boot ins
Wasser zu springen. Leider vergessen wir etwas die Zeit. Es ist
mittlerweile halb fünf und wir müssen noch etwas Proviant in Templin
bunkern. Also alle wieder an Bord und Kurs auf Templin gesetzt.
Der
Kanal in Richtung Templin entpuppt sich als schmales Gewässer, in dem
sehr langsam und vorsichtig gefahren werden muß. Mit dem Blick immer
wieder auf dem Tiefenmesser erreichen wir nach aufregender Fahrt Templin.
Am kleinen Anleger machen wir fest und zwei unserer Mannschaft sprinten
hinauf in die Stadt. Wir anderen machen das Boot fertig zum Landgang.
Templin
beeindruckt durch seine intakte Stadtmauer mit den für Ausstellungen
genutzten Stadttoren, dem malerischem Stadtkern und der stolzen Kirche,
deren hoher Turm auch bestiegen werden kann. Nach einem Rundgang und den
nötigen Einkäufen verlassen wir Templin wieder, nicht ohne uns
vorgenommen zu haben, diese Stadt und die nahe gelegene Natur-Therme noch
einmal länger besuchen zu wollen. Heute Nacht ankern wir auf dem
Röddelinsee.
Der
nächste Morgen bestätigt uns in dieser Entscheidung. Wir baden im See
und genießen unser Frühstück an Deck. Doch wir müssen weiter, haben wir
uns doch vorgenommen, heute hinauf bis zum Stolpsee zu schippern, und
weiter über Fürstenberg bis nach Priepert. Wir hatten uns wohl etwas zu
viel vorgenommen. Die sechs Schleusen bis nach Fürstenberg schaffen wir
gerade noch so, doch die Schleuse Steinhavelmühle ist um 20:00 Uhr geschlossen.
Nun bereuen wir etwas, an Himmelpfort und Fürstenberg ohne Zwischenstopp
vorbeigerauscht zu sein. Gibt es doch in Fürstenberg seit diesem Jahr
auch einen neuen Yachthafen und das Kloster in Himmelpfort wollten wir
uns schon immer einmal ansehen. Nun sitzen wir hier fest vor der Schleuse
Steinhavelmühle. Und noch einmal Kehrtmachen wollen wir auch nicht. Unteer
den Bäumen der Wartestelle legen wir an den Pflöcken an und genießen die
uns umgebende Stille.
Morgens
um 7 Uhr sind wir dann die Ersten, die geschleust werden. Hatte also auch
etwas Gutes, unser Übereifer. Noch etwas verschlafen, aber trotzdem voller
Erwartung steuern wir auf den Ellenbogensee zu, um dann bei Priepert dem
Havelverlauf zu folgen und das schöne Städtchen Wesenberg anzulaufen.
Auch heute wieder eine stramme Fahrt. Gegen 16 Uhr laufen wir im kleinen
Haven Wesenberg ein. Leider sind alle Plätze belegt, so daß wir
bei strammen Wind große Mühe haben, unsere Yacht sicher an einem der Pfosten
seitlich der Stege zu vertäuen. Aber mit vereinten Kräften gelingt auch
dieses und so sind wir bereit, Wesenberg zu besichtigen.
In
Wesenberg befindet sich ein großer Supermarkt außerhalb der Altstadt,
etwa 10 Min Fußmarsch von der Anlegestelle entfernt. Nach der
Einkaufstour trinken wir noch einen Kaffee am Marktplatz und gehen dann
zurück zum Boot. Trotz der hervorragenden Sanitäranlagen im Hafen und
der der netten Naturatmosphäre zwischen Kanuten, Seglern und
Motorbootfahrern ist unser heutiger Tatendrang noch nicht gestillt. Wir
wollen sehen wo der Kammerkanal nach Neustrelitz abzweigt. Unsere
Neugierde auf dieses Stück Kanal ist schon sehr groß, war dieser doch
für uns Yachtfahrer wegen des geringen Tiefgangs nicht befahrbar. Da dies
allerdings ab 2002 wieder möglich sein wird, wollen wir schon einmal den
"Eingang" inspizieren. Obwohl es uns reizen würde, schon
vorzutesten, wie weit die Ausbaggerung vorangeschritten ist, siegt doch
die Vernunft und der Gedanke an unseren Versicherungsschutz und wir drehen
am Eingang zum Kammerkanal bei. An einer Bucht des Woblitzsees werfen wir
den letzten Anker unseres Törns und genießen noch einmal einen
wunderschönen Sonnenuntergang auf dem Wasser.
Am
nächsten Morgen starten wir nach einem erfrischenden Bad abermals sehr
früh und machen uns auf den Rückweg in Richtung Priepert. Dort
angekommen navigieren wir in Richtung Schleuse Strassen. Wir planen für
den Nachmittag noch einen Badestopp auf dem Pälitzsee ein, was sich als
sehr gute Wahl herausstellt. Natürlich bleiben wir wieder viel zu lange
im Wasser, so daß wir mit Dampf in den Rohren Richtung Kleinzerlang
motoren. Rechtzeitig erreichen wir die Schleuse Wolfsbruch, um zum
Abendessen in dem zauberhaften Hafendorf der Marina Wolfsbruch genießen
zu dürfen. In der Hafenkneipe planen wir unsere nächste gemeinsame Reise
auf der Cornelia, die wir am nächsten Morgen schweren Herzens an die
nächsten glücklichen Seefahrer übergeben. |